Geschlechtsspezifische Gewalt

Geschlechtsspezifische Gewalt hat viele Formen: von körperlicher oder psychischer Misshandlung, Verweigerung wirtschaftlicher Chancen in der Familie bis hin zu sexueller Belästigung, Ausbeutung oder Missbrauch am Arbeitsplatz oder Online-Raum. Die Folgen von geschlechtsspezifischer Gewalt können von emotionalem Schaden und Leid über soziale Stigmatisierung und Isolation bis hin zu lebensbedrohlichen Verletzugen und Tod reichen. Obwohl geschlechtsspezifische Gewalt in erster Linie Frauen und Mädchen betrifft, stellt sie eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung dar und kann sich zerstörerisch auf Familien und Gemeinschaften im Allgemeinen auswirken.

Einführung

Geschlechtsspezifische Gewalt gehört zu den am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen der Welt. Wie können wir sie erkennen, wer leidet am meisten darunter und was können wir dagegen tun?

Geschlechtsspezifische Gewalt am Arbeitsplatz

Geschlechtsspezifische Gewalt am Arbeitsplatz ist weltweit verbreitet und kann unterschiedliche Formen annehmen. Hauptursache dafür sind auch hier, wie im Allgemeinen, ungleiche Machtverhältnisse. Immer mehr Organisationen kämpfen dagegen an und bemühen sich um eine sichere Arbeitsumgebung für ihre Mitarbeitenden.

Die Heinrich-Böll-Stiftung (hbs) steht für die uneingeschränkte Achtung der Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit für alle. Geschlechterdemokratie und Null-Toleranz-Politik gegenüber jeder Form von sexueller Ausbeutung, Missbrauch und Belästigung sind in der hbs auf normativer, programmatischer und organisatorischer Ebene fest verankert. Wir verpflichten uns, alle unsere Kernprinzipien zu schützen und betrachten sie als gemeinsame Verantwortung und Aufgabe aller Mitarbeiter*Innen,Partnerorganisationen und Einzelpersonen. Geschlechtsspezifische Gewalt ist das Ergebnis einer Kulturder Diskriminierung und Privilegierung, die auf ungleichen Machtverhältnissen beruht. Als Teil der Verpflichtung, Geschlechterdemokratie zu fördern und ein sicheres Arbeitsumfeld für alle zu schaffen und zu erhalten, hat die hbs eine Schutzrichtlinie auf der Grundlage der internationalen Richtlinien zum Schutz vor sexueller Ausbeutung, Missbrauch und Belästigung (PSEAH) entwickelt.

Auswirkungen der Covid-Pandemie auf geschlechtsspezifische Gewalt

In Krisensituationen erhöht sich das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt. Auch in der Covid-Pandemie haben Faktoren wie Ausgangsbeschränkung oder finanzielle Abhängigkeit die Gefahr häuslicher Gewalt und anderer Formen geschlechtsspezifischer Gewalt verstärkt.

Geschlechtsspezifische Gewalt in digitalen Räumen

Digitale Technologien sind aus dem Leben der Menschen nicht mehr wegzudenken, denn sie ermöglichen es uns, in Online-Räumen miteinander in Kontakt zu treten, zu teilen und zusammenzuarbeiten. Ihr Aufkommen hat jedoch auch neue Räume für geschlechtsspezifische Ungerechtigkeit und Diskriminierung geschaffen, wobei Frauen und Mädchen oft besonders betroffen sind. Digitale Technologien können bestehende Formen geschlechtsspezifischer Gewalt verschärfen und neue Formen ermöglichen. Zu den verschiedenen Arten gehören: Trolling, Stalking bis hin zu Desinformation, nicht-einvernehmlicher Pornografie und die neuste Form genannt Deepfakes - gefälschte Fotos, die mit Hilfe von auf KI-Technologie basierenden Tools erstellt werden. Sie alle können dazu führen, dass Frauen und andere gefährdete Gruppen zum Schweigen gebracht werden, und haben andere schädliche und weitreichende Auswirkungen auf ihr Online- und Offline-Leben. 

Infografiken

Kinderehen

Vor COVID 19 schätzten die Vereinten Nationen, dass in den nächsten zehn Jahren mehr als 100 Millionen Mädchen zwangsverheiratet werden würden. Heute schätzt sie, dass weitere 10 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag zwangsverheiratet werden würden.

Femizid

Weltweit werden täglich Frauen von männlichen Verwandten oder Partnern getötet. Nach Angaben der UN sterben täglich 137 Frauen auf diese Weise.

Missbrauch durch Intimpartner

Fast eine von drei Frauen wurde mindestens einmal in ihrem Leben von ihrem aktuellen oder früheren Partner körperlich, sexuell oder emotional missbraucht.

Menschenhandel mit Frauen und Mädchen

Frauen und Mädchen machen mit 46 % bzw. 19 % die Mehrheit der bekannten Opfer von Menschenhandel aus.